Franz Schubert - sein Leben und sein Schaffen in der Stadt Wien

Der Komponist Franz Schubert erfand in Wien das Lied neu. Er war ein Romantiker mit Tiefgang, der die Menschen mit seiner Musik berührte.

Franz Schubert verstand es wie kein zweiter, berührende Lieder zu schreiben und traf damit mitten ins Herz seiner Hörer:innen. 

Er galt als zurückhaltend und bescheiden. Er wirkte oft in sich gekehrt und lebte zurückgezogen in seiner eigenen Welt der Musik und Gedanken. Dennoch war Franz Schubert in der Gesellschaft seiner engsten Freunde ein lebendiger und humorvoller Mensch, der für seine tiefen Freundschaften bekannt war. Aufgewachsen in bescheidenen Verhältnissen setzte er zielstrebig seinen Plan um, Komponist und Musiker zu werden – obwohl ihm die Anerkennung dafür lange verwehrt blieb. Der bahnbrechende Komponist der Romantik hinterließ ein beeindruckendes Erbe. Sein Leben darf man sich trotzdem nicht zu romantisch vorstellen.

Als Franz Schubert am 31. Jänner 1797 in einem kleinen Haus in der Nußdorferstraße geboren wird, ist Wien ein ungemütlicher Ort. Die sanitären und medizinischen Zustände sind katastrophal. Sauberes Trinkwasser ist kaum vorhanden, wodurch sich Krankheiten wie Tuberkulose und Cholera ausbreiteten. Viele Menschen leiden an Unterernährung. Die Mieten sind hoch, sodass auch große Familien eng zusammen wohnen. Schuberts Vater Franz Theodor, ein Lehrer, hat nur zwei Zimmer. Davon nutzt er eines als Schulraum, im anderen lebt die Familie – von insgesamt 14 Kindern überleben nur fünf.  Auch die Mutter stirbt bald. Tod und Armut gehören also zu den Kindheitserfahrungen des kleinen Franz. Zum Glück gibt es etwas, das ihn aufrichtet: Musik. 

Schulabbruch: Zum Komponieren geboren!

Zuhause wird musiziert. Der Vater organisiert Streichquartettabende und schon bald kann Franz auf der Bratsche mitspielen. Er bekommt auch Geigen- und Orgelunterricht. Und er singt gut. Mit 11 Jahren wird er als Hofsängerknabe in das Stadtkonvikt aufgenommen,. Der Hofkapellmeister Antonio Salieri erkennt sein Talent und fördert ihn. In der Schule hat Schubert lauter Einser – nur in Religion einen Vierer. Wie die anderen Komponisten der Wiener Klassik hat er seine Probleme mit dem Bodenpersonal Gottes. Erst später wird er nach etwas Höherem suchen und die schönsten Kirchenlieder schreiben. 

Mit 15 Jahren verlässt er die Schule: Er habe genug gelernt und könne jetzt alles, was er können müsse: „Ich bin zum Komponieren geboren.“ Der Mann – kurze Beine, braune Locken, runde Brille, Spitzname „Schwammerl“ – ist klein, eher schüchtern. Aber das ist eine Ansage. Dass er nur kurz als Hilfslehrer für den Vater arbeitet, führt zum Zerwürfnis. Er muss ausziehen und wohnt fortan bei Freunden, da er mit seinen Kompositionen kaum nennenswerte Einkünfte erzielen kann. Was er komponiert und geschrieben hat, führt er auch im Freundeskreis vor. Diese Abende werden als „Schubertiaden“ bekannt. 

Kunst und Kultur im kleinen Kreis 

Er sucht nicht den großen Auftritt vor tausenden Menschen. Nach dem Wiener Kongress von 1815, der die entbehrungsreiche Zeit der Napoleonischen Kriege beendete, wollen die Menschen ihre Ruhe, ziehen sich zurück und streben zur Natur. Im Biedermeier blühen Kunst und Kultur im kleinen Kreis. „Das war Hausmusik auf hohem Niveau“, erklärt Elisabeth Albrecht, Leiterin der Musikvermittlung im Haus der Musik. „Schubert hat ein tolles Talent dafür gehabt, Text und Musik aufeinander abzustimmen und auf wirkungsvolle Weise zu vereinen. Er hat auch dem Klavier mehr Bedeutung gegeben, und vom Begleitinstrument zur Erzählstimme gemacht. Er hat die Gattung Lied auf ein neues Level gehoben.“ 

Deutsche Messe als kleine Revolution

Schubert komponierte an die tausend Werke in einem Zeitraum von nur ungefähr 15 Jahren – mit eiserner Disziplin, an einem Tisch sitzend, ohne Klavier. Er besaß keines. Schubert war äußerst produktiv und komponierte über 600 Lieder, darunter Meisterwerke wie den „Erlkönig“ und „Die Forelle“. 

Neben seinen Liedern schrieb Schubert auch Symphonien, Kammermusik, 32 Klaviersonaten und berührende Kirchenmusik, die bis heute gesungen wird. In seiner deutschen Messe brachte er im Lied „Wohin soll ich mich wenden“ die Sehnsucht nach Spiritualität seiner Zeit auf den Punkt. Dass er darin Gott direkt anspricht, und zwar auf Deutsch und nicht auf Lateinisch, ist eine kleine Revolution. Seine Unvollendete Symphonie Nr. 8 und die Große C-Dur-Symphonie gehören zu seinen bedeutendsten Orchesterwerken.

Keine Lust auf Auftritte 

Doch Schubert hatte nicht mehr lange zu leben. Er war korpulenter geworden und trank viel. Er bekam die Geschlechtskrankheit Syphilis, die ihm schwer zu schaffen machte. „Ich fühle mich als den unglücklichsten, elendsten Menschen der Welt“ schrieb er an seinen Freund Leopold Kupelwieser. Die Stelle des Vizekapellmeisters an der kaiserlichen Hofkapelle, um die er sich 1826 bewarb, bekam er nicht. Zu seinem ersten öffentlichen Konzert am 26. März 1828, das ein großer Erfolg wurde, musste er regelrecht überredet werden. Zahlreiche Lieder und Klavierwerke waren inzwischen auch abgedruckt worden. 

Einmal soll er verliebt gewesen sein, doch Theresa Grob musste einen Bäckermeister heiraten. Franz Schubert, dem erst posthum großer Ruhm zuteilwerden sollte, starb am 19. November 1828 in Wien. Er wurde 31 Jahre alt.

Eckdaten

Lebenszeit: 1797-1828
Erreichtes Alter: 31
Werke: Rund 1.000
Eigenschaften: zurückhaltend, bescheiden
Hobbies: Spazierengehen
Besonderheit: arbeitete als Lehrer, Brillenträger
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